Sonntag, September 07, 2008

GYM


Es gibt gewisse Dinge, die jeder Mann in seinem Leben macht. Rasieren. Lustige Sachen in den Schnee pinkeln. Mädchen an den Haaren ziehen. Nicht zwingend in dieser Reihenfolge.
Außerdem war am Ende eines gelebten Männer-Daseins jeder Mann mindestens einmal in einem Fitness-Studio und hat dabei tatsächlich mit dem Gedanken gespielt, das Ganze regelmäßig zu machen. Die meisten stellen aber relativ schnell fest, dass 10 Minuten Bankdrücken und 20 Situps einfach nicht ausreichen um den perfekten Body zu bauen - dementsprechend wird die gesamte Idee wieder verworfen. Man tröstet sich damit, dass man gar keine Muskeln braucht, weil Frauen ja - gemäß der vielen Umfragen in Frauenzeitschrifen - bekanntlich "vor allem" auf Humor und Intelligenz stehen. Man realisiert also, dass man kein Fitness-Studio Typ ist. In der Regel ist der Vertrag zu diesem Zeitpunkt bereits unterschrieben und man zahlt mindestens ein Jahr für etwas, das man nicht in Anspruch nimmt. In etwa so wie beim öffentlich rechtlichen Fernsehen.

Man geht zwar nicht hin, aber da man angemeldet ist, erzählt man auch davon. Aber natürlich mit Einschränkungen. Erst recht wenn man jemanden trifft, der einen fragt, ob man eigentlich Sport macht. Kommt die Frage auf, so lautet die Antwort stets: Klar, ich geh regelmäßig "ins Studio", leider war man jetzt länger nicht mehr, weil man krank war. Dann war da diese Prellung am Handgelenk, gefolgt von Rückenproblemen. Naja und letzte Woche hatte man halt einfach mal keine Lust. Ansonsten ist man aber ständig dort anzutreffen.

So viel zum allgemeinen Teil. Nun zum persönlichen: Um es kurz zu machen, es gibt keine sportliche Betätigung, die ich mit mehr Verachtung ausübe, als Gewichte stemmen. Trotzdem war ich bereits in drei verschiedenen Fitness-Studios angemeldet. Stets hochmotiviert und von der Notwendigkeit überzeugt. Doch spätestens nach dem zweiten Mal, wehrte ich mich mit Händen und Füßen gegen einen Besuch, wie ein kleines Kind, das bei Familienfesten von der Tante mit dem Schnurrbart und der dicken Warze stets zu lange gedrückt wird.
Es beginnt mit der gesamten Atmosphäre, die im Fitness-Studio herrscht. Schon vom ersten Tag an wird man wie ein Familien-Mitglied behandelt. Wildfremde Menschen lächeln um die Wette, hängen an irgendwelchen Tresen ab - wo komische Power-Bars und bunte Vitamin-Drinks stehen - und sind alle so schrecklich "per Du" miteinander, dass es einen direkt ankotzt. Dazu kommt dieser herrlich beissende Geruch. Eine Mischung aus Schweiss, Gummi und DuschDas.
Wenn man Pech hat, trifft man bereits in der Umkleidekabine die ersten Stammkunden, die lässig mit Handtuch um die Hüfte vor dem Spiegel stehen und sich die Haare stylen, während sie ihren Bizeps flexen lassen. Man selbst fühlt sich wie eine halb aufgeblasene Luftmatratze und wartet dementsprechend mit dem Anziehen der Sportbekleidung bis man komplett alleine ist. Dann geht's in die Höhle des Löwen.
Zuerst komme ich an den Laufbändern und den komischen Steppern vorbei. Prompt denke ich an nichts anderes, als peinliche Homeshopping-Sendungen, von denen man endlich ein Teil geworden ist. Auf den Step-Dingern sind in der Regel nur Frauen, die ihren Arsch formen wollen.
Und ich sage das in voller Anerkennung und als großer Befürworter dieser Tätigkeit!
Meistens sind dieselben Frauen bereits auf den Steppern wenn ich anfange, und immer noch, wenn ich wieder gehe.
Auf das Laufband geh ich nicht, da ich dann ja laufen müsste. Besser sind da die bequemen Fahrräder, die man quasi im Liegen betätigen kann. Dabei lässt es sich prima lesen. Oder essen und trinken.
Nach ca. 7 Minuten tut mir der Arsch vom Sitzen weh. Was für ein Zufall, ich bin sowieso der Meinung dass ich warm bin und keine Zeit habe hier Kalorien zu verbrennen, wenn schließlich ein ganzer Körper noch mit purer Muskelkraft geformt werden will. Also auf zum ersten Gerät. Hm... was sieht denn ganz cool aus. Ah, da vorne, sowas hab ich schon Mal gesehen, das müsste für den Bizeps sein. Ich setze mich auf einen Gummistuhl und beobachte die Mechanik des Geräts. Es ist eingestellt auf 35 Kilo. 35 Kilo. Peanuts. Schließlich darf ich zwei Arme benutzen. Ich werfe mein Handtuch über die Arm-Ablage und versuche die zwei Hebel zu bewegen. Es bewegt sich gar nichts. Hm. Eventuell ist da ne Sperre drinne? Ich versuche es erneut und die Gewichte bewegen sich ungefähr einen Milimeter. Verdammt. Zu schwer. Hoffentlich hat's keiner gesehen! Ich kann auf keinen Fall das Stäbchen da rausnehmen und niedriger wieder reinstecken. Das wäre bereits die erste Niederlage, beim ersten Gerät. Also bleibe ich noch etwas sitzen. Dann stehe ich auf und mache ein paar Dehn-Übungen. Dann setze mich wieder hin. Ich trinke etwas Wasser, wisch mir den Schweiss von der Stirn und zähle die Muster auf dem Boden.
Ein Typ, der ohne weiteres auch Conan der Barbar sein könnte, fragt mich ob ich fertig bin. "Jo, ich hab genug gemacht. Du kannst jetzt!". Ich nehme mein Handtuch und beobachte aus sicherer Distanz, wie Conan die Gewichte auf 25 Kilo stellt und die Dinger hebt, während sein Kopf knallrot wird und er die Zähne aufeinander beisst. Pffft... 25 Kilo. Was für ne Luftpumpe. Ich überlege kurz, ob ich ihn abfällig auslachen soll. Dann sage ich "Naja, jeder fängt mal klein an", zwinker dem Mädel auf dem Stepper zu und gehe zu den Hanteln.
Die Hanteln gibt es in allen Größen und sogar in verschiedenen Farben. Ich nehm mir ein Paar, das ordentlich aussieht und setze mich auf eine Gummibank. Ich sitze genau vorm Spiegel und mir wird bewusst, wie weit meine Arme von dem entfernt sind, wie sie in meinem Kopf "nach dieser Session" aussehen sollten.
Ich stelle die Hanteln zurück und gehe zu einem höchst komplizierten Bauchmuskel-Gerät-Maschinen-Teil. Apparat. Ich fummel wieder an den Gewichten rum und krümme mich plötzlich gegen einen Widerstand zusammen, als ob mir einer in den Bauch geboxt hätte. Irgendwas hab ich falsch gemacht. Ich glaube ich bin festgeklemmt oder so. Ich überlege ob ich um Hilfe schreien soll, aber der Gedanke aus einer Bauchmuskel-Maschine befreit werden zu müssen, weckt ungeahnte Kräfte in mir. Irgendwie schaffe ich es, mich aus dem Gerät zu wurschteln. Es macht einen lauten RUMMS und man hört wie die schweren Gewichte aufeinander knallen. Ich nehme etwas Abstand von dem Gerät und betrachte es kopfschüttelnd aus einem Meter entfernung, als ob etwas damit nicht in Ordnung wäre und nehme angenervt mein Handtuch von dem Sitz.
Die nächsten zehn Minuten verbringe ich, mit einem blauen Vitamin-Getränk in der Hand, vor dem komischen Tanz-Aerobic-Tae-Bo-Gymnastik Studio. Ich sehe einen Typen unter 20 Frauen und bin mir nicht sicher, ob er der schlauste oder der peinlichste Typ ist, den ich je gesehen habe.
Das Getränk schmeckt wie es aussieht. Ich setze mich an die Theke und blättere in einem Fitness-Magazin. Ein Blick auf die Uhr - Eine Stunde ist um. Ich erinnere mich an die Worte des Fitness-Trainers bei der Einführung. Man soll es am Anfang nicht übertreiben. Recht hat der Mann. Ich packe meine Sachen und gehe. Aus Angst vor Übertreibung verschiebe ich auch die nächsten beiden Besuche im Fitness-Studio.
Die Woche drauf wollte ich dann wieder hin, aber dann hatte ich so ne fiese Prellung am Handgelenk...

Freitag, September 05, 2008

Was ich mag....

Ich mag nicht wenn es draußen Regnet und ich mag es nicht wenn es draußen Backofentemperaturen hat, man wartet nur noch darauf, dass man gar wird.
Ich mag kein BMW sowie in der Formel Eins als auch als Straßenwagen, in der Formel eins mag ich Ferrari. Ich mag Mercedes aber nur als PKW. Ich mag keine Engländer, Franzosen und Bayern(das Bier aber schon). Ich mag es nicht wenn man das Essen zu scharf würzt das einem der Rachen brennt und das „Zäpfchen“ nach Löschen schreit.

Ich mag es nicht wenn ich spazieren gehe, das ich von Autos nass gespritzt werden, welche in einer überhöhten Geschwindigkeit an mir vorbei fahren. Ich mag nicht spazieren gehen. Ich mag nicht im Sommer ins Freibad zu gehen, in der Weser aber schon.

Ich mag keine Handys, damit ist man überall erreichbar. Ich verachte Werbung für Modehäuser. Ich mag Werbung für NON-Food.

Ich mag keine kleinen Kinder die den ganzen nur am schreien sind. Ich verabscheue IKEA.

Ich mag keine Duftlichter. Ich mag Herrentennis, Damen dagegen schon. Ich mag kein Gammelfleisch – McDonalds dagegen schon. Ich mag es nicht wenn jemand zu spät kommt, ich komme selber gerne mal etwas später.

Ich kann nur mit großer Überwindung meine Fußnägel schneiden, die Fingernägel klappen dagegen sehr gut. Ich mag es nicht im Regen mit dem Hund spazieren zu gehen.

Ich mag keine Klamottenläden wo man nur die „Hippsten“ und angesagtesten Klamotten bekommt. Ich mag Elektroläden und Teleshopping.

Ich mag keine Anglizismen.

was soll ich dazu sagen

Ich bin ein Kind und spiele am Strand mit einem aufblasbaren Ball von Mc Donalds.
Ich trage ein Badetuch als Umhang und mein Vater wirbelt mich durch die Luft, ich bin Batman.
Ich sehe etwas Rosafarbenes zwischen den Beinen meiner Mutter und ahne, dass mich das noch länger beschäftigen wird.
Ich kann lesen und lese alles.
Ich war ein Kind, jetzt kenne ich Jeansmarken und küsse mit Zunge, sehr feucht und in die falsche Richtung. Dass es die überhaupt gibt.
Ich fahre in die Leitplanke, ich bin gerne Jurist, versuche bei Bundeswehrgeschichten an der richtigen Stelle zu lachen, höre auf damit, schreibe über Fußball und dazwischen einiges an Rosafarbenem.
Ich liege hier.
Wo ist nur die Zeit geblieben, hat meine Mutter auf der Beerdigung meines Vaters gefragt.
Am dritten September 1939 stand meine Mutter früh auf, denn es war ihr vierter Geburtstag. Aber niemand interessierte sich dafür, denn es war Krieg.
Dann hungerte meine Mutter, ihre Knie waren dicker als ihre Oberschenkel, sie wurde verschickt auf das unbombardierte Land und als der Krieg aus war, hatte ihr Vater, der sture Kommunist, Geld für Zigaretten, aber keins, um das hochbegabte Kind aufs Gymnasium zu schicken.
Sie zog nach London, swingte mit einem großen, schönen Pakistani und bekam zwei erst kleine, dann immer größer werdende Töchter, geriet in Konflikt mit dem Koran, zog zurück nach Deutschland, war working poor noch bevor das in Mode kam.
Dann verliebte sie sich in meinen Vater, sie bauten ein Haus, bekamen einen Sohn, fuhren an den Strand, hatten Siebziger-Jahre-Frisuren, die ich heute auftrage. Dann verschwand die Zeit und meine Mutter reiste durch die Welt, in Länder, die nie zerbombt worden waren, in Pionierländer und hätte jemand die Zeit zurückgedreht, meine Mutter wäre als junges Mädchen ausgewandert, ganz weit weg, auf Nimmerwiedersehen.
Aber niemand drehte die Zeit zurück und stattdessen begann der Krebs in ihr zu wuchern.
Ich stehe vor meiner Mutter und helfe ihr auf den Toilettenstuhl. Sie bringt es nicht über sich, in die Windeln zu machen. Aber sie kann nicht mehr richtig sitzen, sie läuft aus und bekommt keine Luft mehr und am Ende muss ich dankbar sein, dass sie erst ein paar Tage später stirbt, im Bett.
Und die Zeit? Die ist vorangeeilt. Wie immer.