Dienstag, Dezember 23, 2008


Kinder sind blöd. Also wörtlich. Ich mag Kinder, aber machen wir uns nichts vor, sie haben einfach noch nichts drauf. Nehmen wir mal die ganze Geschichte mit dem Weihnachtsmann. Ich hab den ganzen Mist ja sogar geglaubt, obwohl ich meine Mutter dabei beobachtet habe, wie sie die Geschenke an Heiligabend aus dem Schrank geholt und unter den Baum gelegt hat.

Ich: Mama, ich dachte der Weihnachtsmann bringt die Geschenke?!
Mutter: Ja mein Schatz, aber ich passe für ihn darauf auf und nehm ihm etwas Arbeit ab. Er muss ja heute so viele Kinder besuchen!
Ich: Achso.

Das Thema war damit für mich erledigt. Es war in meinen, damals noch unterentwickelten, Augen eine absolut plausible Erklärung.
Es war ja auch gar nicht so wichtig, wer letzendlich den logistischen Teil der Auslieferung übernimmt, gezählt hat ja nur das Ergebnis. So lange am Ende die neue He-Man Burg dabei raussprang, war es mir eigentlich egal, wer sie unter den Baum legt. Kinder sind blöd, aber pragmatisch.
Spielzeug ist für ein Kind eine Währung, die es in der Form nicht noch mal gibt. Ich glaube Spielzeug für Kinder, ist das einzige universelle Heilmittel, das mehr Power hat als jedes Antibiotikum, jede Viagra-Pille oder jede Impfung zusammen. Es ist unglaublich was man mit Spielzeug alles "reparieren" kann. Deshalb sollten Eltern in jeder Jackentasche mindestens ein verpacktes Not-Spielzeug bereit halten, für den Fall, dass das Kind beim Klettern aus dem Baum fällt und sich ein Bein bricht, oder mit dem Rad gegen ein Auto donnert. Es ist wie ein ungeschriebenes Gesetz zwischen Kindern und Eltern: "Ich hör auf zu jammern, du gibst mir Spielzeug!". Es ist eine Win-Win Situation.
Natürlich muss die Verletzung im Verhältnis zur Entschädigung stehen. Wer im Sandkasten über ein Förmchen stolpert und sich auf die Fresse legt, kann im Umkehrschluss natürlich nicht Castle Greyskull erwarten. Für so eine Bagatelle bekommt man höchstens Orko.
Wer aber zu den Glücklichen gehört, die in frühester Kindheit die Mandeln oder den Blinddarm entfernt bekommen, für den springt auch schon mal ein neues BMX Rad oder ein Trip zum Phantasialand raus.

Leider wird diese unausgesprochene Gesetzmäßigkeit einfach irgendwann abgeschafft. Man wird älter und plötzlich gibt's für die eigene Dummheit kein Spielzeug mehr, sondern so Dinge wie "Ratschläge".
Wer sich mit Mitte 20 den Fuß bricht und bei seinen Eltern anruft, der bekommt sowas wie "Du brauchst Krücken, damit du in deine Vorlesung gehen kannst!" zu hören.
Und so verliert selbst das Weihnachtsfest an Glanz und Faszination. Irgendwann wird der Schalter umgelegt. Es kommt schleichend ohne das man irgendwas merkt. Gestern hast du noch mit großen Augen die Tage bis Heiligabend gezählt, heute schaust du in den Kalender und denkst dir "Scheisse, ich hab noch kein einziges Geschenk für die Sippe".
Ja ich weiß, es ist das Fest der Liebe, der Familie, des Zusammenseins... blablabla. Für mich ist Weihnachten das Fest der überfüllten Einkaufsstraßen, der quälenden Suche nach dem richtigen Geschenk für gefühlte 300 Menschen und das Fest der guten Manieren. Wobei der letzte Punkt der anstrengdste ist.
Das ganze Jahr über interessiert es keine Sau wie du aussiehst, was du anhast und wie du isst. An Weihnachten ist es aber Gesetz, sich von seiner absolut besten Seite zu zeigen. Selbst Emos tragen Poloshirts, wenn die Oma zum Essen kommt.
Prinzipiell ist das auch voll in Ordnung. Ich bin aus dem Alter raus, wo ich notorisch gegen den Strom schwimmen und alle Konventionen sein muss. Mein Gott, wenn es die Altvorderen glücklich macht.
Das Problem ist nur, dass für einen selber nichts mehr abfällt. Aus einem einstmals guten Kompromiss wurde eine Einbahnstraße des Wohlwollens!
Als ich klein war, musste ich Blockflöte oder Gitarre vorspielen, bevor es die Bescherung gab. Diese Demütigung war zu ertragen, weil man dafür fett entlohnt wurde. Aber seit offen kommuniziert wird, dass es gar keinen Weihnachtsmann gibt, ist auch ein Teil der Attraktivität verloren gegangen. Ich meine, wie können die Leute erwarten, dass ich Weihnachten genauso toll finde wie früher, obwohl mittlerweile alle Argumente die damals für Weihnachten gesprochen haben weggefallen sind? Es ist als hätte einer irgendwann gesagt "So, ihr seid jetzt aus dem Alter raus für das klassische Weihnachten - Ab sofort feiern wir Arschloch-Weihnachten!". Weihnachten ist nicht mehr Weihnachten.
Weihnachten ist ein vedammt teures Essen mit der Verwandschaft, minus meine Lieblingsklamotten!

Ich bin daher irgendwann auf den Geburtstagszug aufgesprungen. Gerbutstagsfeiern sind Weihnachten sowas von überlegen!
1. Der Geburtstag gehört mir alleine.
2. Ich muss niemandem was kaufen, ICH bekomme ALLE Geschenke.
3. Jeder muss nett zu mir sein und mir in den Arsch kriechen.
4. Ich entscheide was es zu Essen gibt, wer kommen soll und wie lange das Ganze geht.
5. Man kann sich zum Geburtstag nicht mit so Alibi-Geschenken wie Plätzchen oder Nüsschen davonstehlen.
Wer mir zum Geburtstag ne Dose Kekse schenkt, kann gleich das Weite suchen. An Weihnachten muss man sich über so nen Scheiss freuen!

Irgendjemand sagte mal "ein guter Kompromiss ist es, wenn sich beide Parteien nach der Verhandlung schlechter fühlen". Dieses Zitat kann nur aus dem Mund eines Erwachsenen gekommen sein. Ein Kind würde vermutlich sowas sagen wie "ein guter Kompromiss ist es, wenn eine Partei ihre Ruhe hat und die andere ein BMX Rad".
Die Welt ist ein besserer Ort, wenn man ein blödes Kind mit unterentwickelten Augen ist.